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27.07.2021, 11:39

Klassische Transporter abseits vom Bulli

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Der L 207 D von Mercedes ist ein klassischer Tranporter, der weniger bekannt ist

Neben VW Bulli und Ford Transit gibt es noch andere historische Oldtimer mit sehr viel Platz. Der Mercedes L 206 D wird jetzt 50 Jahre alt, ein Fahrzeug mit bewegter Geschichte. Doch es gibt noch mehr.

Wer an historische Kleintransporter denkt, hat meist einen VW Bulli im Kopf, vielleicht noch einen alten Ford Transit. Doch es gibt weitere leichte Nutzfahrzeuge jenseits der meistverkauften Transporter, die heute noch für Oldtimer-Fans mit viel Platzbedarf interessant sein könnten. Wie etwa der Mercedes L 206 D, ein Transporter mit einer langen Geschichte.

Mit zugekaufter Firma das Modellangebot erweitert

Am ersten Jänner 1971 übernahm Daimler-Benz den Transporter-Hersteller Hanomag-Henschel komplett, erläutert Mercedes-Benz Classic. Seit 1969 hatte man bereits die Mehrheit und versorgte einige Modelle wahlweise mit Mercedes-Motoren. So stiegen die Stuttgarter auch in den Bereich der leichten Nutzfahrzeuge ein. Bereits 1970 liefen erste Modelle als Mercedes mit Stern und etwas besserer Ausstattung vom Band, etwa die Transporter L 206 D und L 207, die Anfang 1971 offiziell präsentiert wurden.

Die Fahrzeuge basierten auf dem Hanomag-Henschel F20 bis F35 und unterschieden sich anfangs nur durch wenige Ausstattungsmerkmale. Nun als Mercedes trugen sie den Stern und erweiterten das Nutzfahrzeug-Programm der Stuttgarter.

Verfügbar war ein 60-PS-Diesel von Mercedes und bis 1977 auch ein Austin-Benziner mit 70 PS in den Typen L 207 und L 307. Anfangs hatte der Dieselmotor nur 55 PS. Mercedes rundete aber für die Nomenklatur auf 60 auf. Ab 1972 erhielt der Motor aber volle 60 PS. Das L in L 206 bedeutet "Lastwagen in Kurzhauber-Ausführung", die 20 steht für zwei Tonnen maximales Fahrzeuggewicht und die 6 für 60 PS. Bei einem Diesel folgte noch das D. Dazu konnten Kunden wie etwa bei VW Bulli und Ford Transit verschiedene Aufbauten wie Kastenwagen, Kombi, Pritsche und Doppelkabine wählen.

Stephan Heide sieht die Besonderheit der Mercedes-Modelle in der Herkunft und der Technik. "Im Prinzip handelt es sich beim L 206 um eine Weiterentwicklung des Tempo Matador E von 1963, der wiederum von Hanomag weiterentwickelt wurde und ab Anfang der 1970er unter dem Mercedes-Stern lief", erklärt der stellvertretende Chefredakteur von "Last & Kraft", einer Fachzeitschrift für historische Nutzfahrzeuge. Dazu komme ein Rohrrahmenchassis mit Frontantrieb, das ein flexibles Heck mit ebener Ladefläche und vielen Aufbaumöglichkeiten bietet.

"Die Grundidee von Tempo war damals gut, daher hat Mercedes diese übernommen, nach einer Pause sogar ab 1988 wieder im Mercedes MB 100", sagt Stephan Heide. Doch im harten Arbeitsalltag der 1970er Jahre haben nur wenige Fahrzeuge überlebt, die meisten wurden verschlissen. Im Gegensatz zu Borgward B611, Ford Transit oder VW Bulli hat sich in den vergangenen Jahren daher keine große Szene für das Mercedes-Modell entwickelt.

Sammelleidenschaft ohne Aufpreise für Kultstatus

Der Markt für historische Transporter wie Tempo Matador, Hanomag Matador, Hanomag-Henschel F25 oder Mercedes L 206/L 207 ist daher eher klein. "Es sind unterschätzte Fahrzeuge, die zwar gesammelt, aber nur selten verkauft werden", sagt Aleksandra Lippert vom Marktbeobachter Classic Analytics. "Sie genießen keinen Kult-Charakter wie ein VW Bulli und werden, wenn sie überhaupt angeboten werden, günstig verkauft", sagt Lippert. Gut gepflegte Fahrzeuge gebe es für unter 12.000 Euro. Ausnahme davon beim Mercedes L206 bilden spezielle Wohnmobile vom Karosseriebauer Orion.

Beliebte Transporter seien VW Bullis aus nahezu allen Generationen, die kleinen Fiat 238 und die größeren Mercedes-Transporter T 2 der Düsseldorfer-Reihe "DüDo", unter anderem L 406 D, L 508 D oder L 613 D. "Die großen L 613 D sind bei Campern beliebt, besonders die mit der breiten Karosserie und dem Sechszylinder-Motor", sagt Lippert. Selbst der in Deutschland neu häufig verkaufte Ford Transit fristet gebraucht ein Nischendasein und ist meist günstig zu haben.

Günstige Bezugsquellen können auch Versteigerungen sein

Finden lassen sich spannende Fahrzeuge auch auf Gebrauchtwagenportalen oder auf Fahrzeug-Versteigerungen von Behörden wie von Polizei oder Feuerwehr. Feuerwehren versteigern immer wieder Tragkraftspritzenfahrzeuge (TSF) von VW Bus, VW LT oder Ford Transit. Behördenfahrzeuge haben meist wenig Laufleistung und wurden gut gepflegt. Je nach Modell und Zustand kosten sie zwischen 5000 und 8000 Euro. Für die größeren Löschgruppenfahrzeuge 8 (LF8) zahlen Liebhaber über 10 000 Euro. "Transporter werden, bis auf die Feuerwehrwagen, meist wenig geschont und weniger gut gepflegt. Rost kann daher überall entstehen und ist ein echtes Problem", sagt Aleksandra Lippert.

Worauf beim klassischen Transporterkauf zu achten ist

Das sieht Hans Gerd Brauneiser von der Rheinlandgarage in Köln ähnlich. Es komme aber stark auf den vorherigen Einsatz und den anschließenden Pflegeaufwand an. "Die meisten historischen Transporter wurden hart rangenommen und zeigen dementsprechend viele Spuren. Rost gibt es in allen Ecken", sagt Brauneiser. Dazu treten Probleme häufig an den Trommelbremsen auf, je nach Marke und Modell unterschiedlich ausgeprägt. Sind die verschlissen, lassen sich originale Sätze nicht so einfach besorgen - einige Ersatzteile gebe es schlicht nicht mehr.

Auch bei Karosserieteilen und Glas für Front-, Seiten- und Heckscheibe herrsche bei Exoten, also bei allen Modellen außer dem VW Bulli, häufig Mangelware. Ein guter Kontakt zu einem Karosseriebauer oder gutes handwerkliches Geschick seien daher bei Reparaturen von Vorteil.

Bei gepflegten Fahrzeugen von Behörden sei die Technik meist in Ordnung, dafür gebe es häufig Standschäden. "Vor dem Kauf sollten Interessenten daher alle Lager und Gummis kontrollieren, wie Hardyscheibe, Lenkwellen, Stabilager, aber auch Reifen und Dichtungen. Die können mit der Zeit einfach wegbröseln", sagt Hans Gerd Brauneiser.

Die Gretchenfrage: Benziner oder Diesel?

Wer zwischen einem Benziner und einem Diesel schwankt, sollte lieber einen Benziner nehmen. "Die Motoren verbrauchen zwar etwas mehr, fahren aber besser als die lahmen Saugdiesel und sind auch günstiger bei Reparaturen. Eine Überholung einer historischen Einspritzpumpe kann sehr teuer werden", weiß Hans Gerd Brauneiser. Als Spezialist für historische Ford-Fahrzeuge empfiehlt er einen Transit III ab Baujahr 1978, der statt des schwachen V4-Motors einen modernen Reihenvierzylinder mit oberer Nockenwelle besitzt. Der Motor lasse sich einfach und günstig reparieren und ihm auch ein paar PS mehr einhauchen. Kastenwagen seien meist günstiger als Kombis mit Seitenscheiben.

Daimler-Benz wickelte Hanomag übrigens ab 1974 ab, die Marke verschwand. Bis August 1977 baute man noch alte Hanomag-Entwicklungen wie den L 206 D / L 307 mit Stern - dann war dieses Auto Geschichte. Ab 1978 gliederte Daimler Benz alle Betriebsstätten von Hanomag-Henschel als Zweigwerke ein. Rund 304 000 Fahrzeuge entstanden von Hanomag und Mercedes, davon 165 000 Fahrzeuge mit dem Stern.

270406 Jul 21

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